Ich wuerde gerne mal über Eure Erfahrungen mit dem Selbermachen von Tonabnehmern ein paar Meinungen austauschen.
Vielleicht auch: Warum habt Ihr das (bis jetzt) noch nicht gemacht?
Ich fang einfach mal an ...
Wie viele von Euch hat mich in meiner Anfangszeit notorischer Geldmangel und chronische Neugier zum selbermachen (in diesem Fall auch der Pickups) gebracht.
Bislang habe ich keine Kits oder ähnliches verwendet, sondern mir bei http://www.conrad.de oder eben dort im Laden die Teile zusammengesammelt (Reed-Magnete, Kupferlackdraht), ein bischen Plastik für das Gehäuse besorgt und einfach losgelegt.
Als "Wickelmaschine" habe ich verschiedene Krücken ausprobiert: * Bohrmaschine (ein wenig zu schnell und ungleichmaessig schnell) * Maschine aus Fischer-Technik (leider keine Fotos ... war sehr lustig) * Plattenspieler (geht wirklich gut, aber langsam)
An Typen habe ich bislang folgende gemacht .. in aufsteigender Schwierigkeit: * Strat SC, Tele Bride SC (der Klassiker, ziemlich simpel) * Tele Neck-SC (recht klein, deshalb schon etwas schwieriger) * P90 (echt easy) * Power Humbucker (brät so schoen ..) * Mini Humbucker mit Klingen (die geringe Groesse der Spulen ist eine echte Herausforderung)
Das soll erstmal genug sein. Wenn die Diskussion in Gang kommt, später mehr. Jetzt freue ich mich auf Eure Kommentare
habs bisher selber noch nicht gemacht- mich würde aber interessieren, welchen Draht du verwendest. Bei Conrad hab ich z.B Kupferlackdraht mit 0,05mm gefunden, die 1500m Rolle für 3,55 eu! Das wäre auf jeden Fall billiger als die Rockinger Rolle.....bin mir aber nicht sicher, ob das mit dem Querschnitt und der Isolierung so funktioniert...?!?
und: gibt es irgendwo ungefähre Werte für Wicklungszahlen?
Also ich hab' erst einmal mit genau diesem Draht begonnen. Zur Wicklungszahl: 1500m entsprechen ca 15 KOhm, das kannst Du direkt mit gängigen Ohmzahlen vergleichen und proportional runterrechnen, wieviel Du brauchst.
Zum Anfangen: Ein halbe Rolle fuer einen "braven" Strat-Single Coil. Eine windung braucht ca 12 cm, macht also ca. 6250 Windungen bei 750m, Bei 60 U/min ergibt das eine Wickelzeit von ca. 100 Minuten oder mehr als 1,5 Stunden ... viel schneller wird es mit primitiven Maschinen mit diesem Draht nicht gehen.
Problem mit diesem Draht: * Abisolieren (damit du die Anschlussdrähte anlöten kannst) erfordert Übung, z.B. mit heissem Lötkolben (geht nicht immer) oder vorsichtig mit einer Flamme. * Reisst relativ leicht, da die Rolle beim Abwickelt eine gewisse Eigendynamik entwickelt und der Draht nicht besonders elastisch ist.
Vorteil: * Rollenhöhe = Pickuphöhe. Du brauchst also keine Drahtführung.
Sooooo einfach ist es aber nicht. Man kann nicht einfach die Widerstandswerte der verschiedenen PU's als Vergleich heranziehen. Der 0.05er Draht ergibt im Vergleich mit dem 0,06er (eine Art Standartdurchmesser) geringere Ausgangsspannung bei gleichem Wicklungswiderstand weil die Wicklungszahl geringer ist. Dadurch veringert sich auch die Induktivität, die im Zusammenhang mit der Wicklungskapazität (abhängig von der Zugspannung des Drahtes beim Wickeln), und der Gitarrenkabelkapazität die Resonanz, also die Klangfarbe des PU's ergibt. Also dünnerer Draht - mehr Wicklungen. Induktivität und Wicklungskapazität kann man aber leider erst messen, wenn der Tonabnehmer fertig gewickelt ist.
klar...das leuchtet ein- hier ist halt ausprobieren angesagt. Ich denke bei 3,50 € ist es nicht so tragisch, wenn man bei nem miesen Ergebnis die ganze Wicklung wieder entfernt und ne neue aufwickelt- es ist halt nicht viel verloren. wenn sich dann zeigt, dass es halbwegs klingt und ich das mit dem Wickeln einigermaßen kann, dann darf es auch später die 0,06er Rolle von Rockinger sein....
@capricky Stimmt, da haben wir mit dem Drahtdurchmesser eine der vielen Parameter, der den Sound beeinflusst. 0,06 Standarddurchmesser kommt hin, aber meine Erfahrungen mit 0,05 sind auch ok, speziell wenn es um PUs mit stärkeren Magneten und vielen Wicklungen geht.
@pl-guitars Ich wuerde auch mal anfangen und selbst Erfahrungen sammeln. Viel kostet es ja nicht. Du wirst schnell sehen, schon mit ein und den selben Materialien (auch den billigen) lassen sich eine ganze, endlose Reihe verschiedener Sounds erzielen.
Hier (eine natuerlich unvollständige) Liste der Gestaltungsmöglichkeiten (schon fuer eine Spule): * Draht .. Dicke, Material, Lackierung, Zahl der Wicklungen, Wicklungsgenauigkeit, Wicklungsform ... aber das hatten wir ja gerade * Magnete ... Groesse, Material, Form (!!), Lage ... * Spulenform ... Höhe, Breite, Abstand ... * Pole-Pieces ... Schrauben, Magnete ... * Spulenverarbeitung ... Wachs, Expoxy, Vakuum, nix ...
Der Stewmacbericht und eure Schilderungen machen ja wirklich Lust aufs ausprobieren. Aber eins hab ich no net geblickt: Bei dem P90 Pickup (auf der oben verlinkten Stewmacseite) steht, dass 2 Stabmagnete eingebaut werden, deren Nordpole in Richtung Polepieces zeigen. Das blick ich net, kann mir das einer erklären ? liegen die Magnete aufeinaner oder nebeneinander ? Wo sind Nord- und Südpol, etwa nicht an den Stabenden ?? meint ihr, ihr kriegt ne Zeichnung hin oder habt nen Link für mich (also speziell zum P90 Aufbau)?
Woher kriegt man denn fertig polarisierte/magnetisierte Alnico 5 ? Die bei Stewmac muss man doch noch magnetisieren, oder ?
die beiden Magnete haben ihre Polarität längs, schauen sich mit den Nordpolen an und die Polepiece-Schrauben sind in der Mitte. Die Pole-Pieces haben dann oben Nord. Es ist eigentlich egal, ob sich die Nord- oder Südseiten ansehen, Hauptsache bei beiden PUs ist es gleich.
Magnete bekommst Du z.B. hier: http://www.ampge.com/components.htm Da gbit's auch anderes Zubehoer zu recht guestigen Preisen. Hab' selber dort noch nicht bestellt, kenne aber Leute, die dort kaufen.
Magnete sind natuerlich schon magnetisch, sonst wären es ja keine .. sie verlieren jedoch über die Jahrzehnte an Kraft, das ist dann Teil des so hoch geschätzten Vintage Tons, denn dadurch wird der Klang ein wenig wärmer und der PU schwächer ...
Marti
PS: Ich habe übrigens auch P90er mit Einzelmagneten als Polepieces gemacht - quasi ein Strat SC im P90er Gewand. Aber nicht mit Strat-Klang, weil die Spule ja eine andere (breitere und flachere) Form hat.
Sind die Polepieces immer (von Anfang an) magnetisch ?! Ich dachte das wären ganz normale Schrauben. *g* bin glaub voll der Pickup-n00b, aber dank euch wirds bald besser *g*
hi ich habe mal ne frage :also habt ihr alle einfach die Zeit ausgerechnet die ihr ca. braucht oder habt ihr einen Zähler der die Wicklungen zählt (so wie in alten Tachos)
hi ich habe mal ne frage :also habt ihr alle einfach die Zeit ausgerechnet die ihr ca. braucht
Genau, du fängst Montag morgen an und hörst Mittwoch 5 vor 12 auf.
Ernsthaft, ich habe ein mechanisches Zählwerk, ein sogenannter Postgesprächszähler. Die wird es wohl nicht mehr geben, aber mit nem Fahrradcomputer kann man da sicher auch etwas zurechtzaubern.
Zitiert von capricky, verfasst am 17 Januar 2006, 15:21 in hier
Genau, du fängst Montag morgen an und hörst Mittwoch 5 vor 12 auf.
Also ich machs tatsächlich nach der Minuten-Methode, war bislang immer hinreichend genau. Und meine selbsgebaute Wickelmaschine dreht sehr langsam (80 U/min) ... bis Mittwoch 5 vor 12 werd ich's nicht schaffen ...
ein Zählwerk läßt sich sehr einfach realisieren. Man nehme: - 1 billigen Taschenrechner - 1 kleinen Magneten - 1 Reed-Kontakt (magnetisch betätigter Taster)
Der Taschenrechner wird geöffnet, an die beiden Kontakte der "="-Taste wird jeweils ein Draht angelötet. Diese Drähte werden mit den beiden Anschlüssen des Reed-Kontaktes verbunden. Der Magnet wird an der Platte befestigt, auf welcher das Bobbin des zu wickelnden Pickups sitzt. Der Reed-Kontakt wird an einem festen Punkt so befestigt, daß der Magnet so dicht an ihm vorbeiläuft, daß der Kontakt betätigt wird (eben genau so, wie bei einem elektronischem Fahrrad-Tacho). Zu Beginn der Wickelarbeiten wird nun auf dem Taschenrechner "1" und "+" eingegeben. Bei jeder Umdrehung wird dann durch den Reed-Kontakt die "="-Taste betätigt, was zur folge hat, daß die angezeigte Summe auf dem Display um "1" hochgezählt wird. That's it!
Gruß Andy
PS: Der Fairnes halber ist zu sagen, daß die Idee nicht von mir ist. Ich habe sie selbst irgendwo im Web gefunden, weiß aber leider nicht mehr, wo genau...