ich wollte von einer Halsoperation berichten, die ich lange aufgeschoben habe, weil ich mir nicht sicher war, ob ich nicht mehr kaputt mache als es hilft ...
Also: Bei meiner (selbstgebastelten) 12 saitigen hatte ich mich mit dem Halswinkel ein wenig vertan, er war deutlich zu gross. Folge: Der Steg mit Einlage musste über 1,5 cm hoch sein (siehe erstes Bild), damit es mit der Saitenlage funktioniert. Dadurch wurde der Zug auf die Decke enorm und der Klang fuer meinen Geschmack ein wenig zu "gepresst" und langsam ansprechend.
Ich sah zwei Möglickeiten, den Winkel zu verkleinern:
A.) Halsleimung lösen, Zapfen verändern, Griffbrettrampe (der Teil auf dem Body) anpassen, dann alles wieder reinleimen. Hab mich dagegen entschieden, weil ich es mit nicht vorstellen konnte, wie man die Titebond-Verbindungen lösen kann ohne dass die Deckenverleimungen Schaden nehmen (immerhin ist das Griffbrett auf der Decke vollflächig verleimt) und es ziemlich tricky ist, den Schwalbenschwanz entsprechend des neuen Winkels korrekt neu zu fräsen ohne das Griffbrett auch noch abzunehmen ...
Also hab ich Variante B.) gewählt, die "Teil-Amputation" 1. Entlang der Hals/Korpusverbindung am Fuss bis ca 0,5cm unterhalb des Griffbretts von unten mit schmaler superscharfer Japansäge (Ich bin total begeistert !!!) einsägen ... schwitz ... 2. Einen Keil zuhobeln (ca. 4 mm Stärke maximal), der reinpasst ... gleiches Holz hatte ich noch, nur die Maserung lief natuerlich längs und nicht nicht quer ... ging recht easy, weils ja Mahagoni war 3. Hals ein wenig nach hinten biegen ... ganz sanft .. und Keil reinleimen (siehe zweites Bild) 4. Jetzt hat das Griffbrett einen Knick nach oben, also ... Bünde 13-18 raus, Griffbrett abgeschliffen, neue Bünde rein (siehe Bild 3) ... 5. Jetzt das Griffbrett neu abrichten in gesamter Länge und die Bünde polieren ... meine absolute Lieblingsarbeit ... 6. Dann die Stegeinlage neu und einjustieren ... und kaum 3 Stunden später kann es an's lackieren gehen.
Bild 4 zeigt die neue Stegsituation und Bild 5 den verübergehenden Endzustand am Fuss ... irgendwann werde ich micvh nochmal ums Finish kümmern ...
Fazit: Hat sich eigentlich gelohnt, hat meinen Blutdruck ziemlich strapaziert ... ob's die richtige Operation war, ist jetzt die Frage an Euch!? Das Risiko war ziemlich hoch und sehen tut man's auch ...
Hatte ähnliches Problem mit entsprechender Reparartur erst vor 14 tagen, später gerne mehr, aber unklar ist mir. Wie ging das mit dem Schwalbenschwanz?
- Hast Du den mit durchgesägt? und ist jetzt einfach Halsansatz stumpf angeleimt?
- oder gibts den noch und die Fräsung hatte so viel Spiel, das der Keil noch stramm reinpasst?
Ja, ich habe den Schwalbenschwanz fast ganz durchgesägt. Und den Keil unter leichter Spannung plan reingeleimt. Es sind ja unter dem Griffbrett nur ca 1cm stehen geblieben. Das ist auch genau der Grund, warum ich mit der Methode so Bauchweh hatte. Ein Tipp eines befreundeten Gitarrenbauers hat mich dann doch ermutigt: Vergleichbar bei spanischer Bauweise hat man gar keine andere Alternative ...
Hi Marti, du schreibst am Anfang, dass der Klang aufgrund des Steges gepresst war. Hat er sich denn jetzt verändert? Um wieviel bist du jetzt mit den Saiten über der Decke? Bei der Steelstring dürften es so etwa 11-14mm sein.
Der Klang ist jetzt viel "leichter", etwas weniger Bässe, aber immer noch enorm laut, obwohl der Korpus sehr klein ist - maximal so gross wie bei einer Klassikgitarre. Natürlich biegt sich die Decke hinter dem Steg ein wenig auf, der Saitenzug ist schon enorm.
Was mir auffällt ist, dass das Sustain sehr lang ist und die Obertöne manchmal ein wenig zu dominant sind - aber vielleicht ist das ja auch Prinzip bei der 12 saitigen. Ich kenne ja keinen Vergleich. Meine Gitarre ist aus einer Laune spontan entstanden, ohne grosse Planung, Recherche ...
Der Abstand ist jetzt etwa 13mm, vorher waren es (hab nochmal die Einlagen verglichen) 17mm. also im Rahmen des üblichen.
Wie soll ich sagen- Mutig!. Aber wenn Du zudem noch auf Anraten eines Gitarrenbauer diese Variante gewählt hast, dann kann sie so falsch nicht sein und wenn sich mittelfristig schlimmstenfalls der Ansatz wieder löst, musst Du halt noch mal ran und doch komplett abnehmen und neuen Schwalbenschwanz fräsen aber man muß den Teufel nicht an die Wand malen.
Aber kurz zu meinem Job - ähnliches Problem – andere Reparatur. Schöne 1960er 17“ Archtop Framus Grand Star massiv sunburst. Hals bereits leicht nach vorn gekippt Halswinkel viel zu niedrig (grad noch 10mm Steghöhe)
Zunächst nicht weiter tragisch. Einen „Neck-reset“ also Hals mit Dampf rauslösen, Winkel korrigieren und wieder einsetzen hatte ich bereits 3mal in meiner „Kariere“ mit Erfolg gemeistert. Aber leider geht’s nicht immer.
Zunächst also bekannte Prozedur. Die oberseitige Deckenauflage konnte ich mit heißer Klinge noch einigermaßen lösen, aber meine Vermutung sollte sich alsbald bestätigen, daß hier kein Leim verwendet wurde, sondern ein nicht lösbarer synth. Kleber. Na ja, extra noch eine spezial „Dampfvorsatzmehrfachminikanülvariante“ gebaut, daß ich über das Gurtpinloch an drei Stellen des Schwalbenschwanzes gleichzeitig Dampf einbringen konnte, später noch ein Versuch über unteren Halsstöckel. Lange Rede, wenn sich nach 10min nix tut dann tut sich nie was. Nicht lösbar, Brachialmethode RYOBA
Mein Problem war zunächst, der arg rissige Nitrolack (noch dazu eingefärbt). Ich konnte weder beim Dampfen noch beim Schneiden die Stellen abkleben, da sonst alles Lack mit dem Tape mit runtergerissen würde. Aber dann gings einigermaßen weiter. Abschneiden, neuen Winkel anpassen (das abgekantete Ende des Stahlstabes und eine Schraube die den Halsstöckel bei der Herstellung mit fixierte, sagten mir freundlich guten Tag und verschrammten meine Hobelmesser. Dann erst mal den Stabkanal wieder mit einem Mahagoni Starkfurnier verschlossen. Dann eben neuen Schwalbenschwanzzapfen und entsprechende Nut in den Korpus gefräst. Anpassen der Höhe, Deckenauflager kontouriert etc. etc. das ganze Programm halt.
Den Zapfen habe ich dann zusätzlich mit 4 Kleinschrauben gegen Zug gesichert, Zum Leim allein hatte ich zuwenig Vertrauen zumal bei einem knackig passenden Schwalbenschwanz ja doch ordentlich Zug drauf ist bei den ersten Male einsetzen.
usw usw. Ist ja eigentlich Dein Thread deswegen höre ich hier auf.
Passt alles wieder wunderbar und trotz dieser doch recht heiklen Operation zumal mit diesem Lack war noch einiges an Retusche nötig. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis
Aus der Nachmittagsreparatur, wurden Tage. ERFOLGREICH, ausser Spesen nix gewesen, aber um eine wertvolle Erfahrung reicher. Ich habe mir zudem natürlich größte Mühe gegeben, da es sich noch dazu um eine Gitarre eines Forumsmitglied handelte, da durfte ich mir schon zweimal keinen Ausrutscher leisten.
alle Achtung, das wiederum hätte ich mir nicht zugetraut ... speziell, wenn das Teil nicht mir gehoert.
Ich habe ja wenigstens gewusst, was auf mich zukommt. Und bin übrigens gar nicht so skeptisch, dass die Sache dauerhaft hält.
Doch jetzt hab ich doch ein Problem meiner OP gefunden: Die Halsstabmutter, die ziemlich versenkt angebracht ist und nur extrem mühsam zu erreichen ist, muss sich leicht verkantet haben, als ich den Hals nach oben gebogen habe: Jedenfalls komme ich mit meiner Ratsche nicht mehr dran ...
Hab mal ein Bild vom Bau (als der Hals noch nicht eingeleimt war) drangehägt, Vielleicht weiss jemand von euch, wo man so lange Imbusschlüssel herbekommt?
Und dann ist das noch der üble Kollitz Alustab, der ohnehin so schlechte Messingmuttern hat. Hatte noch einen rumliegen -> werde den nie wieder verwenden!
Merci -> Marti
PS: Deine OP ist mal wieder ein Beweis, wie genial man mit der Ryoba sägen kann. Du merkst schon, bin nicht mit den Japansägen aufgewachsen und deshalb immer noch hin und weg.
Hallo Marti Warum nimmst du dann nicht die von Brüko angebotene Stahlmutter? Da besteht zwar die Gefahr das das Gewinde des Alustabs kaputt geht, aber das Risiko scheint mir akzeptabel, insbesonders da man den Stab bei entsprechender Vearbeitung problemlos rausziehen kann.
Gruß Hermann, der noch nie einen Kollitz Stab verarbeitet hat ... Sich aber gerne eines Besseren belehren läßt.
PS Vielleicht könnten sich einige Forumuser zusammen tun und eine Sonderauflage in Stahl fertigen lassen. Das geht lt. Website ab 20 Stück.
bei dieser Gitarre ist's wohl sehr schwierig bis unmöglich mit rausnehmen und wechseln der Mutter ... Du siehst ja, der Stab beginnt erst spät drin im Hals. Ich bräuchte nur einen langen Imbus zum Verstellen, und ein wenig Gefühl beim Anziehen, damit die Mutter nicht vollkommen versaut wird.
Aktuell verbaue ich den 2-way Stahlstab vom Rockinger und bin eigentlich sehr zufrieden.
Für meine anderen Brüko-verbauten (oder soll ich sagen verbastelten?) Gitarren ist derTipp mit der Stahlmutter hilreich, danke!!