ja, die Negativformen sind für einige 100 Teile gut. Das macht die Sache ja so interessant. Bei Bedarf können die Negativformen auch noch angepaßt werden - das bedeutet, daß leichte Geometrieänderungen jederzeit eingearbeitet werden können.
Dafür ist der Aufwand an Zeit und Material auch relativ groß.
Das Schöne ist, daß ich jetzt viele unterschiedliche Design-Varianten (damit meine ich die Lage und Anzahl der Stringer / CFK Rovings / UD-Bänder / Sandwichlagen) kombinieren kann, bis ich das gewünschte Ergebnis erzielt habe.
Jetzt geht die Arbeit erst los - aber gerade das macht ja auch Spaß!
Übrigens habe ich gestern bei Rainsong gestöbert. Die machen die Decke tatsächlich ohne Bracing.....das gibt mir zu denken. Jetzt bin ich wieder mal unschlüssig.....mal schaun, wahrscheinlich mache ich zum testen 2 Decken. Eine mit Bebalkung und eine nur mit CFK. Danach kann ich Gewicht und Steifigkeit miteinander vergleichen. Falls hier noch jemand Ideen hat, laßt mich nicht dumm sterben.
Die Frage wäre ja, ob man nicht eine Art "Schrägseilbrücken Konstruktion" bei der Decke machen könnte. Also unter der Bridge ein kurzer Querbalten und mit Kohlefaserrovings freischwebende Abstützungen richtung Oberbug und Endblock macht, die dann die Saitenkräfte aufnehmen. Verstehst du, was ich meine?
Danach Übergänge mit Knetmasse verschlossen und 2x gewachst. Zwei Schichten Trennlack aufgesprüht und "teeren und federn" kann beginnen.
Formenharz weiß und Kurzglasfaser als Kupplungsschicht. Dann 2 Lagen E-Glas. Jetzt noch Laminierkeramik und aushärten.
Sehr cooles Projekt. Bin gespannt, wie es weitergeht. Speziell, wie der Kohlefaserhals wird ...
Ich hab vor mehr als 20 Jahren auch mal eine Ovation Legend und eine Art Adamas gebaut, aber (natuerlich) keine Ahnung von Formenbau gehabt. Und meine hatten einen Hals und eine Decke auf Holz. Grosser Unterschied: Ich habe direkt auf die Positivform ("Meistermodell") die Lagen GF aufgebracht und dann (bei Zimmertemperatur) mit Harz laminiert. Getrennt habe ich seinerzeit mit Folie ... war eine mords Sauerei ... hätte einfach an Wachs denken müssen ... die Prozedur des Trennens hat aber problemlos funktioniert ...
Jetzt meine Fragen an dich als Profi: 1. Aus welchen Materialien ist die Form genau? Welches Trennmaterial verwendest Du? Ich greif's nochmal an, sollte ich eine Negativform aus meiner Meisterform bauen? 2. Wie machst Du die Aussenoberfläche der Roundbowl, glatt ist nämlich ziemlich rutschig und unpraktisch ... ich habe damals groben Sand (!) in den Lack gemischt. Wird super. Dämpft (ist ja gut). Halt ein wenig schwerer (100g). 3. Wie löst Du das Gesundheitsproblem? Harze sind saugiftig, schleifen, sägen fällt eigentlich dann deshalb auch aus ...
1. Aus welchen Materialien ist die Form genau? Welches Trennmaterial verwendest Du? Ich greif's nochmal an, sollte ich eine Negativform aus meiner Meisterform bauen?
Als Basis benötigt man ein Formenharz das relativ hart ist und sich gut polieren läßt, ich verwende das Formenharz P von R+G. Danach kommen Glaskurzfasern in die nasse Formenmasse (Konsistenz wie Quark). Nach angelieren 3-4 Lagen E-Glasgewebe und zum Schluß Laminierkeramik. Als Trennmittel Mirror Glace....du ahnst es auch von r+......
http://www.r+g.de - dort ist ebenfalls ein Forum. Die helfen auch gerne weiter.
Material gibts alles von R+G online
Vorteil: die haben die Besten Informationen / Handbücher auch für Anfänger
Nachteil: leider Preise wie in der Apotheke 2. Wie machst Du die Aussenoberfläche der Roundbowl, glatt ist nämlich ziemlich rutschig und unpraktisch ... ich habe damals groben Sand (!) in den Lack gemischt. Wird super. Dämpft (ist ja gut). Halt ein wenig schwerer (100g).
Zunächst werde ich die untere Kante durch ein zusätzliches Formteil verschließen. Diese Kante ist dann wie bei jeder anderen Gitarre eckig. Das Formteil wird ebenfalls aus CFK und außen am Korpus befestigt, so daß es keine klangverändernde Wirkung hat. Dieses Teil werde ich mit Klettverschluß befestigen (akustisch entkoppelt). Falls die Gitarre dann immer noch rutscht möchte ich das lösen wie beim Surfbrettbau, dort nimmt man Quarzsand und bläst diesen in das nasse Laminat. Das werde ich aber nur an sehr wenigen Stellen so umsetzten.
3. Wie löst Du das Gesundheitsproblem? Harze sind saugiftig, schleifen, sägen fällt eigentlich dann deshalb auch aus ...
Das Problem mit Bispenolharzen ist durch geeignete Hautschutzmittel und Atemmasken zu lösen. Persönlich habe ich bislang auch kein Problem bei ungeschützem Hautkontakt (allergische Reaktion). Wesentlich wichtiger ist eine gute Schutzmaske beim Schleifen. Die Stäube sind krebserregend.
Das klingt jetzt drastischer als es wirklich ist - alles in allem ist das für mich ein prima Hobby, bei dem man sehr frei im Design arbeiten kann.
Falls es bislang noch nicht rübergekommen ist, vielen Dank für die vielen positiven Reaktionen auf das Projekt - sowas motiviert ganz gewaltig.
Die Frage wäre ja, ob man nicht eine Art "Schrägseilbrücken Konstruktion" bei der Decke machen könnte. Also unter der Bridge ein kurzer Querbalten und mit Kohlefaserrovings freischwebende Abstützungen richtung Oberbug und Endblock macht, die dann die Saitenkräfte aufnehmen. Verstehst du, was ich meine?
Jörg
Hallo Jörg,
so etwas ähnliches schwebt mir vor. Beim Surfbrettbau werden sog. T-Stringer in den Styropor-Blank einlaminiert.
Über die Höhe dieses Stringers läßt sich das Widerstandsmoment beeinflussen. Ich hab mal Bilder dazu eingestellt.
Diese Stringer bestehen rein aus CFK Gewebe. Man kann in der Mitte auch einen Furnierstreifen zur Versteifung einlaminieren. Die Stringer könnten auch sternförmig oder in A bzw. X Bracinganordnung anlaminiert werden.
Gruß
Christian
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die Stringer stehen dann natürlich wie die Balken nach oben, und werden unten mit den beiden Schenkeln an die Decke laminiert - da gibt`s kein Styropor.
das wird bei einem Hals, der ohnehin nur aus Kohlefaserroving besteht, wohl auch kaum nötig sein. Such mal nach Carbonstab, da findest du eine Menge Diskussionen zum Thema Halsstab aus Carbon. Da experimentiere ich auch gerade mit, ein Ergebnis ist aber leider noch nicht absehbar. Der Armin Dreier (Trinkweinfix) hat gute Erfahrungen mit Carbonstäben in Akustikgitarren gemacht.
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Hallo Christian, bin begeistert! Ich meine, das ist sicherlich kein "boa, was für ein schönes Binding, tolle Rosette und die Einlagen am..." aber finde es super cool, so was zu starten und dann auch so detailliert zu dokumentieren und mit uns zu teilen. Danke!
Bei der Deckenbeleistung oder nicht kamen mir ein paar Gedanken in den Kopf. Zum einen habe ich einen Erfahrungswert der besagt, dass wenn ich den Steg mit ca. 5kg belaste (Gewicht vorsichtig drauflegen), die Decke ca. 0,5-0,7mm nachgibt. Also wichtiges Kriterium ist die Dynamik der Deckenaufhängung. Wenn du mal eine Stahlsaitengitarre auf den Kopf stellst, mit den Daumen deiner Hände einmal links und einmal rechts auf den Steg drückst merkst du, dass sich dieser bewegt. Je mehr er sich bewegt, umso dynamischer ist die Ansprache und auch lauter. Vergleiche mal hierzu eine Klassikgitarre. Da ist es viel extremer. Da gibt es aber auch ein Maximum. Irgendwann klinkt sich die Decke aus und sie reißt. Ist die Bebalkung zu steif, wirkt die Decke nicht als Membran und sie klingt nicht.
Habe ganz gute Ergebnisse bei solchen Tests erzielt, wenn ich die Decke in einen Holzrahmen spannte, der den Umriss der Gitarre hatte. So kommt man gut unten ran und kann shapen.
Viel Erfolg weiterhin!
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Sowohl das Projekt als auch die Erklärungen sind toll. Ich habe etwas Ahnung von FVK und auch ein bisschen praktische Erfahrung, aber bei weitem nicht so viel. Schön auch, dass so viele (Hobby-) Gitarrenbauer hier mit positiver Aufgeschlossenheit reagieren und nicht mit dem hartnäckigen, abergläubisch-nichilistischen Traditionalismus der meisten (Akustik-)Gitarristen, die ich kenne (Gitarre aus Kuststoff? HaHa, das KANN doch nicht klingen, hat keine Seele, sieht furchtbar aus...)
Es wäre mit Sicherheit interessant, statt 90°-Gewebe (Leinwand, Köper) unidirektionales oder/und 45°-Gelege zu benutzen, dann hat man den gesammten Faserverlauf und somit die akustisch relevanten Eigenschaften noch besser als bei Holz in den Griff. Ist leider nicht billig, die vielen Möglichkeiten auszuprobieren... OT: interessant wäre auch, die seit einiger Zeit erhältlichen Basaltfasern auszuprobieren, zumindest für eine E-Gitarre. Dann kann man auf jeden Fall behaupten, es sei eine echte Rock-Gitarre Gruss, Martin
zunächst vielen Dank für die Hilfe beim Bau der Gitarre. Ich teile den Werdegang dieses etwas ungewöhnlichen Projekts bis zum ersten Soundcheck gerne mit euch.
Natürlich hat das nix mit klassischem Gitarrenbau, bzw. den ursprünglichen Materialien zu tun - aber gerade die vielseitigen Möglichkeiten des Designs mit CFK (wie Martin es beschreibt - dort eine Lage mehr, UD Bänder in x/y/z Richtungen) eröffnen ungeahnte Möglichkeiten - mehr, als das mit Holz möglich wäre. Das bei Festigkeiten und Gewichten, die mit anderen Baustoffen wohl schwerlich darstellbar wären.
Grundsätzlich hätte ich mich ernsthaft nie mit dem Bau eines Instruments befasst, wenn ich nicht die Unterstützung durch euch - das Gearbuilder Forum - gehabt hätte.
Als Gitarrenbau-Lehrling (bloody beginner) würden wohl die ersten Gitarren mehr für den Schrottcontainer als denn zum spielen geeignet sein (mal abwarten wie viele Versuche das werden...).
Daher bin ich sehr froh, daß mir von sehr vielen Seiten Hilfe angeboten wird, die ich dankbar entgegenehme. Das Messen der Durchbiegung bei Belastung werde ich umsetzten und posten.
Da ich die letzte Woche mehr mit Instandhaltungsarbeiten an Oma`s Golf beschäftigt war (Kupplung/Gelenkwelle/Radlager...) konnte ich nicht mehr an der Form weiterarbeiten.
Das soll sich in dieser Woche aber ändern.
Ich werde wieder Bilder einstellen, sobald es Baufortschritte gibt.
PS: aus dem Film "making of.." hier noch ein paar Hardcopys. => Andreas, speziell die Anordnung des Bracings gefällt mir sehr gut. Ich möchte das bei meiner Gitarre so übernehmen.
Verblüffend ist für mich der Übergang mit den kleinen Balken. Diese stoßen nicht an das X-Bracing. Damit verliere ich zwar Steifigkeit, ich denke aber, daß damit die Decke ein besseres Schwingungsverhalten bekommt, und damit die Gitarre insg. auch lauter wird.
Was hältst Du davon?
Gruß
Christian
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