Ich habe mir vor laaanger Zeit beim PPC vom Carstensenverlag das Buch "E-Gitarre" bestellt und gestern ist es endlich eingetroffen. Es ist ein äußerst umfangreicher 350-Seiter, der eigentlich alle Details einer E-Gitarre einfach und auf den Punkt erklärt.
Nun habe ich gestern Nacht mal ein bisschen geblättert und quergelesen und ich bin auf einige Aussagen gestoßen, die eventuell die Frage zulassen; wieviele von den ganzen Material- und Verarbeitungsdiskussionen wirklich hörbare Unterschiede als Diskussionsgegenstand haben und wieviele man in die Schublade mit der Aufschrift "Wünschelrouten, E-Meter und Rattenschwanzgebräu hier rein". Dazu muss ich sagen, dass der Autor dennoch bemüht ist, nicht in die Esoterik-Ecke abzudriften, sondern handfeste Belege für seine Aussagen zu bringen. Er dröselt den Vintage-Mythos auf und kommt zu folgendem Urteil; ja, "Vintage" ist oft (nicht immer!) besser, weil die Gitarre sich einschwingen kann. Bei einer "eingespielten" Gitarre, bei der sich das Holz auf die Schwingungen einstellt, ist eine bessere Resonanz durch das eingeschwungene Holz vorhanden. Außerdem sollen Pickups nach 2-3 Jahren besser klingen, da die Magneten natürlich etwas an Magnetismus verlieren. Ich finde ebenfalls, dass meine bald 20 Jahre alte Strat "besser" klingt, als viele andere, baugleiche Gitarre, aber auch irgendwie "runder" und "ausgewogener" als meine '06 PRS Singlecut. Und auch ich muss sagen, dass sie mir heute klanglich besser gefällt, als vor 5 Jahren. Aber liegt das wirklich daran, dass sie "eingespielt" ist und die PUs "gereift" sind? Ich kann mir das schon vorstellen, Holz ist ein arbeitendes Naturwerkstück. Auch, dass dieses "Einschwingen" dem Holz bei einem einteiligen Korpus leichter fällt, kann ich mir noch recht gut vorstellen, aber es gibt ja auch neue Gitarren, die wunderbar klingen... Aber liegt es vielleicht überwiegend auch daran, dass man sich an Dinge "gewöhnt", denn schließlich ist die Hörgewohnheit das wahrscheinlich wichtigste Kriterium dafür, wie man den Klang einer Gitarre beurteilt?! Etwas skeptisch wurde ich allerdings beim "Palisander"-Artikel: hier lässt sich der Autor darüber aus, das die Eine Palisandersorte als Griffbrettholz etwas brillianter ist, als die andere usw. Ich kann mir noch vorstellen, dass ein Ahorngriffbrett im Nuancenbereich den Klang verändert, aber das Griffbrett ist größentechnisch ja ein eher unbedeutender Resonanzkörper der E-Gitarre. Dass man hier noch merklich Unterschiede zwischen verschiedenen Palisanderabholzungsgebieten dann tatsächlich heraushört, kann ich mir fast nicht vorstellen. Interessant war auch der Mahagonieabschnitt; Hondurasmahagonie ist heutzutage oftmals schlechter als früher, da irgendwelche Westwinde nicht mehr so wehen, wie früher... Da hat mir nur noch gefehlt, dass dieses auch besser in Vollmondnächten gefällt werden sollte, da die Energien des Mondes das Harz im Holz nach oben ziehen...
Versteht mich nicht falsch, natürlich gibt es gut hörbare Unterschiede zwischen verschiedenen Klanghölzern und Konstruktionstypen, aber es gibt auch Einbildung. Wenn Paul Reed Smith behauptet, dass Kluson-Mechaniken einen "knackigeren Sound" haben, sind wir meiner Auffassung nach bei letzterer angelangt. Und dass die ganze Theorie nicht immer einen hohen Praxiswert hat, zeigt wohl auch der letzte Teil des Holzkapitels; Fichte ist in der Theorie für den E-Gitarrenbau denkbar ungeeignet, aber in Oslo gibt es eine kleine Firma, welche lt. Autor "wunderbar klingende E-Gitarren" aus diesem Holz bastelt. Wohl bekommt's...
Wenn Du Dich von dem Gedanken an einen Resonanzkörper bei massiven Instrumenten freimachst und stattdessen über den Filter-Effekt des Holzes nachdenkst, kommst Du vielleicht ein Stückchen weiter
Ansonsten: Cheerio, Miss Sophie
Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Ich fand schon in meiner frühen Jugend, dass das ein schwachsinniges Konzept ist.
Wenn Du Dich von dem Gedanken an einen Resonanzkörper bei massiven Instrumenten freimachst und stattdessen über den Filter-Effekt des Holzes nachdenkst, kommst Du vielleicht ein Stückchen weiter
Ein Akustik-Instrument hat einen hohlen(!) Resonanzkörper, der den Schall verstärkt.
Ein massives Instrument filtert aus dem erzeugten Frequenzbereich bestimmte Frequenzen heraus. Es "macht" also Klang nicht durch Verstärkung sondern durch Auslöschung.
Und bevor jetzt wieder seitenweise Physikbücher hier reinkopiert werden: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass das eine vereinfachte Aussage ist, dass auch Akustiks filtern, blafasel, blafasel , ....
Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Ich fand schon in meiner frühen Jugend, dass das ein schwachsinniges Konzept ist.
Ein massives Instrument filtert aus dem erzeugten Frequenzbereich bestimmte Frequenzen heraus. Es "macht" also Klang nicht durch Verstärkung sondern durch Auslöschung.
Gut, da habe ich einfach die falsche Vokabel benutzt und "verkehrtherum gedacht". Jedoch bringt mich diese Erkenntnis noch nicht wesentlich weiter, schub's mich mal bitte vom Schlauch ... Willst Du jetzt sagen, dass alles o.g. Deiner Auffassung nach daher richtig oder daher falsch ist, oder ...?!
Ich gehöre zu den Menschen, die sich einbilden, dass das Holz auch bei Solidbodies eine klangliche Wirkung hat, Hals und Griffbrett vielleicht mehr als der Body selbst. (hab ich doch sehr vorsichtig formuliert, gell capricky )
Das lässt sich wohl am ehesten hören, wenn man mal so ein gnadenlos klingendes Gerät aus Kohlefaser in den Fingern hatte.
Ich habe auch den Eindruck, dass vielgespielte Gitarren besser klingen als wenig gespielte.
Die Aussage bezüglich der Mechaniken ... die hat für mich einen ausgeprägten Voodoo-Touch.
Ich habe vor Jahren ein Interview mit Eric Johnson gelesen, in dem er sich darüber ausgelassen hat, dass in seinem Setup 9V-Blocks verschiedener Hersteller in den Bodentretern hörbar seinen Sound beeinflussen.
In der Kategorie siedle ich auch das Mechanik-Thema an.
Will sagen: Ich beneide die Herren Johnson und Smith um ihren fantastischen Hörsinn.
Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Ich fand schon in meiner frühen Jugend, dass das ein schwachsinniges Konzept ist.
Gut, da habe ich einfach die falsche Vokabel benutzt und "verkehrtherum gedacht". Jedoch bringt mich diese Erkenntnis noch nicht wesentlich weiter, schub's mich mal bitte vom Schlauch ... Willst du jetzt sagen, dass alles o.g. deiner Auffassung nach daher richtig oder daher falsch ist, oder ...?!
Ich glaube der Kollege Rumblebird bekommt bei dem Thema sofort "Blutdruck", sodas seine Wahrnehmung bezüglich pro oder kontra eines Beitrags gelegentlich gestört ist . Eigentlich ist er ja grundsätzlich Deiner (und meiner) Meinung, nur hat er sie leider nicht verstanden .
Ich gehöre zu den Menschen, die sich einbilden, dass das Holz auch bei Solidbodies eine klangliche Wirkung hat
Also davon bin ich ebenfalls überzeugt, es ging mir auch mehr um die esoterisch anmutenden Details ... Dass verschiedene Hölzer verschiedene Frequenzen absorbieren und dadurch andere "betonen", erscheint mir recht logisch.
Weiß denn jemand, wie sich das mit den PUs verhält, ist es korrekt, dass Magneten an "Kraft" verlieren?
Bezüglich der Magnete in PUs kann man sich ja einfach die Frage stellen, wenn wirklich das Verlieren der magnetischen Stärke einen Einfluss hätte, warum man dann nicht gleich schwächere Magnete nimmt.
Für das Holz gilt eingeschränkt dasselbe: Demnach müsste man einfach länger abgelagertes Holz nehmen und hätte somit automatisch ne besser klingende Gitarre. Als zweiten Punkt für die Qualitätssteigerung bei Holz durch "Einschwingen" hab ich mal den Versuch einer physikalischen Begründung gelesen, dass durch die Schwingungen das im Holz erstarrte Harz mit der Zeit bricht und sich somit der Klang zum besseren verändert. Meine Meinung zu diesem Erklärungsversuch: Dann wäre der Qualitätsgewinn durch "Einschwingen" ja stark abhängig von der Holzsorte, da der Harzgehalt im Holz sicher von der Sorte abhängt. Somit würde das "Einschwingen" z.B. bei LesPauls (Mahagoni) mehr oder weniger bringen als bei Strats - und dort auch wieder bei Erlenstrats anders als bei Esche. Und überhaupt: Wieviel Harzgehalt hat ein abgelagertes Laubholz überhaupt?
--> meiner Meinung nach überwiegt der Eingewöhnungseffekt jedes Körnchen Wahrheit, das VIELLEICHT in diesen Erklärungsversuchen steckt. Frei nach dem Spruch von nem Kollegen gestern (zum Thema Flügelgewichte): Irgendein Grund lässt sich für jedes Phänomen finden
Für das Holz gilt eingeschränkt dasselbe: Demnach müsste man einfach länger abgelagertes Holz nehmen und hätte somit automatisch ne besser klingende Gitarre.
Bei Holzfaszination kannst du genau aus diesem Grund spezielles extralang (35 Jahre oder so?) gelagertes Mahagoni kaufen. Allerdings hat die Lagerungszeit doch nix mit einschwingen zu tun. Außerdem höhere Lagerzeiten treiben auch die kosten in die Höhe, deswegen kann sich nicht jeder leisten nen Stück Hondurasmahagoni von 1872 zu nehmen
Interessant wäre es zu überprüfen, ob es etwas ausmacht das Holz in einer schallisolierten Kabine oder in einem Proberaum zu lagern/trocknen. Wer weiß, vielleicht wird das der neue Trend? Gibt ja auch schon Saunaholz und Formentera wirbt damit, dass die Instrumente durch ein Bad im Mittelmeer ihren speziellen Klang bekommen...
Zum Griffbrettpalisander: Wichtig ist nicht wo das Holz geschlagen wird sondern welches Holz genau geschlagen wird. Riopalisander (Dalbergia nigra) ist ne andere Holzsorte als Ostindischer Palisander (Dalbergia latifolia), ähnlich wie bei Honduras oder Kaya/Sipo/Sapelli Mahagoni. Außerdem macht das Griffbrett vielleicht nicht viel an Masse von der Gitarre aus, allerdings sitzt es an einer sehr entscheidenden Stelle. Dort trifft die Schwingung als erstes vom Bundstab auf und wird quasi primärgefiltert Könnte mir jedenfalls vorstellen, dass es so ist...
Letztendlich möchte ich noch sagen, dass ich persönlich nie großartige unterschiede höre und mir noch keine spritzigen Bässe, kehligen Mitten und samtige Höhen mit seidigem Obertonspektrum guten Tag gewünscht haben... Manche Leute hören das evtl... Ob das bei nem Blindtest weiter behauptet wird ist ne andere Frage. Das kann wahrscheinlich nur noch der alterwürdige Sergeant Pipper.
Fest steht allerdings auch, dass ne Gitarre aus Ebenholz nen anderes Klangverhalten hat, als eine aus Mahagoni...